Auf dem Weg der Stierles - die Geschichte der väterlichen Vorfahren


Stierle

Nomen est omen? Sicherlich können Namen einiges über den Beruf (Metzger), die Heimat, die Herkunft (Al[l]emann) oder das Aussehen (Lange) zur Zeit ihrer Entstehung aussagen. Bis ins frühe Mittelalter waren nur Rufnamen gebräuchlich. Durch die Zunahme der Bevölkerung wurde die eindeutige Identifizierung einer Person mittels eines einzigen Rufnamens schwieriger. Zur Unterscheidung fügte man Beinamen hinzu, ein persönliches Merkmal wie "der lange …" oder eine Angabe zur Abstammung wie "Jakobs Sohn" oder eine Bezeichnung des Berufs. Damit behalf man sich, solange man sich untereinander kannte. Doch schon über eine Generation oder die Grenze eines Dorfes hinweg war keine Eindeutigkeit mehr gegeben. Dies war jedoch für Eintragungen des Landbesitzes oder Steuerzahlungen erforderlich.


Familienname

Daher wurden – ab 1200 im Südwesten und danach weiter nördlich, anfangs bei Adligen, dann in Städten und auf dem Land Nach- bzw. Familiennamen eingeführt, die sowohl lebenslang getragen und vererbt als auch amtlich verbindlich wurden. Der Familienname entstand, wenn er über mehrere Generationen innerhalb einer Familie geführt wurde und auch bei Mitgliedern auftrat, auf die eines der ursprünglichen Merkmale nicht mehr zutraf. Allerdings traten Namenswechsel auch im 17. Jahrhundert noch häufig auf.


Etymologie

Der Name Stier ist seit dem 9. Jahrhundert bezeugt. Das ⤃ Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache (2001) erkennt darin ein Erbwort aus mittelhochdeutsch "stier", welches aus althochdeutsch "stior" hervorgegangen ist; dieses entstammt letztendlich der (nicht belegbaren aber rekonstruierten) germanischen Wurzel "*steura-", m, "Stier, Stierkalb", die sich in gotisch ("stiur"), wahrscheinlich (unsicher) in altnordisch "stjórr" sowie in altenglisch "stēor" findet; daneben findet sich ebenfalls eine Variante ohne anlautendes s- in altnordisch "þjórr"; dieses vergleicht sich mit lateinisch "taurus", altgriechisch "ταῦρος" ("taúros"), altkirchenslawisch "туръ" ("turŭ") "Stier", litauisch "tauras" "Auerochse", irisch "tarb", kymrisch (walisisch) "tarw" (unklares "*tarw-" statt "*taur-"); die Form mit anlautendem s- könnte mit avestisch "staora-" "Großvieh" zusammenhängen; wegen lautähnlichem assyrisch "šûru", hebräisch "שׁוֹר‎" (CHA: "šōr") "Stier", phönizisch "thōr" "Stier", aramäisch "tōra"ʾ liegt wohl ein altes Lehnwort zugrunde, zu dem eine Variante mit s- unter Einfluss von einheimischen Wörtern gebildet wurde (althochdeutsch "stiuri" "stark, stattlich", altindisch "स्थविर" ("sthávira-") "dick, derb"). - Alles klar?


Varianten

Ab 1400 tauchen zahlreiche Namenvarianten auf wie Stir, Stier, Stear, Steer, Stiehr Stiers, Stierp, Stierna, Stjerna, Stjärna, Stjarna, Stiern, Stiernon, Stiernblad, Stjernblad, Stiernstedt, Stierngranat, Stierewald, Stjernvall, Stjernwall Stieren, Stiren, Styren, Stiaer, Stierlin, Stierling, Stierlein, Stiermann, Stierli, Stirli, Sterli, Stirling / Starling / Stalling / Strivelyng, Stirley / Shirley, Stirlay, Sterley, Störle, Stierken oder Sterck.


Familienbücher von Musberg und Echterdingen

Professor Dr. Günther Schweizer veröffentlichte 2000 und 2002 im Stadtarchiv Leinfelden-Echterdingen zwei Familienbücher, eine Auswertung der Musberger und Echterdinger Kirchenbücher und weiterer Quellen. Das Kirchenbuch (erstes Taufbuch) von Musberg beginnt 1563 (Gründung der Pfarrei). Es enthält weit über hundert Einträge zu Stierle & Co. Auch das Familienbuch Echterdingen verzeichnet unter Stierle, Stierlen, Stierlin, Stierle Fleckh, Stierlen Fleckh, Stierlen-Fleckh und Stierlen Frid zahlreiche Einträge.

Im Musberger Familienbuch beginnt der Abschnitt "Stierlin, Stierle, Stierlen, Stierlein, Stirlin" mit "Stierlin, Jakob, in Leinfelden", "Stierlin, Hans, in Oberaichen", "Stierlin, Michael, in Unteraichen" und dann folgt mein Ahnen-Urgroßvater (16. Generation) "Stierle, Michael, in Oberaichen".


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